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Doppelleben, Jean-Paul Medici, 860 Seiten. Chet Brainiac, die Hauptperson des Romans, verbringt sein Dasein damit, mehr als ein Leben zu führen, und das über mehrere Kontinente, Kulturen und Sprachen. In der Konsequenz nicht zu überbieten, ist ihm kein Aufwand zu gross, seine verschiedenen Persönlichkeiten, die sich im wirklichen Leben nie begegnen, akribisch auseinanderzuhalten. Nur im Raum 0, der digitalen Designerwerksatt für menschliche Attribute, nimmt Chet Brainiac, wahrscheinlich (der Leser erfährt es nie, zumindest nicht in diesem Band) die richtige Identität an, überprüft seine anderen Leben, bringt Feinheiten an, löscht Relationen, die eventuell Hinweise zu Gemeinsamkeiten „seiner“ Personen geben könnten.

Als Leser wird man schon zu Beginn in die Irre geführt. Man versteht das Buch als Roman und stellt erst am Ende fest, dass man es nochmals ganz von vorne beginnen und sich alle rätselhaften Tatsachen auf einem Blatt Papier aufschreiben muss. Beim dritten Mal nimmt man die Notizen zu Hand und stellt fest, dass der Autor auch ein Meister der codierten Mitteilung ist. „Chet lag rücklings, in Schweiß gebadet, auf einem in Dreck, Staub und angetrockneten Flüssigkeiten ehemaliger Schläfer(!), zerwühlten Leintuch, öffnete die verklebten Augen und sah vor sich Nelke, so wie er sie letzte Nacht immer wieder nannte, die ihm ein Blatt Papier vor die Augen hielt, auf dem ihm nach und nach klar wurde, dass es bei manchen Literaten darum gehen könnte, die Reihenfolge der Zeilen etwas anders zu ordnen. Nicht bei vollem Bewusstsein erklärt er sich das Leben und gibt den üblichen Reihenfolgen die Schuld, dass die Wirklichkeit so nicht zu fassen ist.“ Nach diesem Text, beginnt man als aufmerksame Leserin noch mal von vorne und versucht andere Reihenfolgen der Sätze zu konstruieren. Ich kannte bis anhin keinen Autor, in dessen Sinn des Textes auch die Seitenzahl mit integriert wurde. Das Werk hat sozusagen mehr als nur einen doppelten Boden. Dekonstruktion literarisch dargestellt.

Manchmal, und das ist das Bedeutende am Stil des Autors, wird man als Leser dazu verführt zu meinen, mehr zu sehen als die Hauptperson, und ein anders Mal, geht man davon aus, dass uns der Autor etwas über den Erzähler erzählt. Aber der Schein trügt, Autor und Erzähler sind anscheinend nicht die selbe Person und schlussendlich bleibt dem Leser die Vorstellung nur etwas über die erzählte Welt zu erfahren. Für mich persönlich verschweigt der Text wer erzählt.

Doppelleben *// beginnt harmlos und plötzlich steht man vor dem Auftrag sein Leben auf mehr als nur eine Optionen zu überprüfen. Der Hinweis, dass ein Leben auch 3 mal mit unterschiedlich langen Jahren gelebt werden kann ist faszinierend. Die Zeit im Raum wird vervielfältigt und am Ende gibt es sogar drei Beerdigungen. Chet Brainiac sagt am Ende eines seiner Leben: „Ich habe der Menschheit ein Buch hinterlassen, unverständlich für viele. Die Nachsichtigen, Sensiblen und Intuitiven werden ihren Gefallen daran finden. Für die Zukunft ist es geschrieben.“

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